Lena Henke

Core, cut, care.

Nach „Hang Harder“ im NAK. Neuer Aachener Kunstverein präsentiert Lena Henke den zweiten Teil ihres Ausstellungsdoppels nun im Oldenburger Kunstverein unter dem programmatischen Titel „Core, cut, care“. Konkret wie abstrakt werden etablierte Konzepte von Räumlichkeit, Inszenierung und Materialität buchstäblich entkernt, zerstückelt und neu zusammengefügt. Lena Henkes Projekt widerspricht dem allgemeinen Rhythmus und der zwanghaften Originalität des zeitgenössischen Kunstbetriebs. Das Material dieser Ausstellung ist das Produkt der ersten Ausstellungssituation in Aachen. Dort vor Ort in einem konzentrierten Arbeitsprozess entstanden, spiegelte dieser erste Teil den eher introvertierten künstlerischen Schaffensprozess im Atelier wider. Bewegte sich Henke dort mit ihrer Untersuchung des klassischen und nur scheinbar neutralen Ausstellungsparadigmas von White Cube und Sockel in einem kunstimmanenten und institutionsspezifischen Diskurs, wird hier der Betrachter in den Fokus gerückt. Die mit Teerpappe und Epoxidharz bearbeiteten Sperrholzplatten sind nicht länger Bausteine eines invertierten White Cubes, sondern verlieren ihre Flächigkeit und erinnern als halbrunde Formationen an Gebrauchsobjekte, Präsentationsflächen und Sitzgelegenheiten. Lena Henke öffnet ihren eigenen hermetischen Produktionsprozess der privaten Reflexion von Kunstschaffen und Ausstellen hin zur Präsentation theoretisch benutzbarer Objekte. Mit dieser Transformation ihres Arbeitsmaterials bricht sie nicht nur dessen inhärente Fixiertheit und Trägheit auf, sondern hinterfragt zugleich klassische Festschreibungen von Kern und Oberfläche, Inhalt und Form sowie, nicht zuletzt, auch die sich in Architektur und Design manifestierende institutionelle Exklusivität. Sie entlarvt die Verführungskünste des Interior Designs, das uns allüberall umgibt, unser Wohlgefühl auslösen soll und unser Handeln beeinflusst. Lena Henke gelingt mit ihrer Installation eine kritische Auflösung von Ausstellungs- und Designkonventionen, ohne mit der konzeptuellen Strenge ihres Projekts die physische Präsenz und eindrucksvolle Materialität der Arbeiten zu überlagern.

Konzert: Angel’s Voice (Benjamin Saurer und Heike Staudacher)

Einführung: Max Brand und Felix Riemann, Künstler